Just do it - das SOM-Tagebuch

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SOM 4


Von Sada aus geht es in Etappen nach Süden. Auf der einen Seite wollen wir von Land und Leuten etwas sehen, auf der anderen auch vorwärts kommen. Was wir allerdings nicht eingeplant haben, und was und schon schnell zu einer wahren Nervenprobe führt, ist der mangelnde Wind.

Zunächst geht es nur ein kurzes Stück bis zur Isla del Norte bei Vigo. Hier ankern wir und erleben zum ersten mal - wenn auch nur für kurze Zeit - das Gefühl der Entspannung und des süßen Nichtstuns. Beobachten die Muscheltaucher, die nur mit Schnorchel und Tauchanzug nach Scheidenmuscheln tauchen. Im nächsten Hafen, in Bayona, suchen wir dann auch gezielt ein Restaurant, um einmal Scheidenmuscheln probieren zu können.

Bayona ist eine wunderschöne, interessante Stadt, die eigentliches ein längeres Verweilen verlangt, aber es zieht uns südwärts. In Lissabon wollen wir uns mit Ankes Freundin Kirsten treffen, die uns von Kalifornien aus besucht, und da muss man doch pünktlich sein. Wir halten uns also ran. Mangels Wind unter Maschine. Das ist streckenweise sehr nervenzehrend, da die Portugiesen die Küstengewässer in einem erstaunlichen Ausmaß mit Fischerfähnchen garniert haben. Die meisten sind gut erkennbar, aber dazwischen sind auch einige, die verschlissen oder umgekippt sind. Also kaum zu sehen. Besonders spannend wird das ganze bei Nebel, der vielleicht eineinhalb bis zwei Bootslängen Sicht ermöglicht. Wie gut, dass wir trotz meiner Vorbehalte ein Radar angeschafft haben. Bei der spiegelglatten See zeigt das Gerät die meisten Fischerfähnchen an, aber auch den einen oder anderen Seevogel, z. B. einen Basstölpel, dem wir dann auch gewissenhaft ausweichen.

Machen in Povoa de Varzim Station, um Porto per Bus zu besuchen. Povoa wird in den Handbüchern weniger empfohlen, aber das wird dem Ort nicht gerecht. Schöne Stadt, viel Leben, preiswerte Marina und hilfsbereite Menschen. Porto begeistert total. Vor allem die alten Stadtviertel die angenehm zurückhaltend restauriert werden. Außerdem ist Porto natürlich die Stadt des Portweins, was nicht folgenlos bleibt. Jedenfalls wird in der Bilge von JUST DO IT ein beträchtlicher Ballastzuwachs verzeichnet. Lissabon erreichen wir ausnahmsweise bei etwas Wind und segeln bis vor die Mündung des Tejo. Rasmus schenkt uns sogar noch zwei Makrelen zum Abendessen. Wir bleiben ein paar Tage. Erwandern die Altstadt, den Burgberg, durchstreifen die Markthalle und finden einen verführerischen Weinladen. Außerdem trudelt Kirsten ein. Mit ihr machen wir einen Tagestörn zwecks Eingewöhnung nach Sines. Komischerweise ist diesmal der Portugiesische Norder zur Stelle und Kirstens Begeisterung fürs Segeln wird arg getrübt. Sines entpuppt sich wie Povoa als nettes Städtchen, für das man viel mehr Zeit mitbringen müsste. Aber wir wollen weiter. Starten in die Nacht. Alvor ist da Ziel. Dort warten Freunde mit der Yacht ANTJE, für die wir Spiritus aus Falmouth in der Bilge gelagert haben. Zunächst geht es strikt nach Süden. Bei aufgehender Sonne runden wir das Cabo de Sao Vicente, dann kreuzen wir die aufregende Algarve bei Lagos entlang. Höhlen, Torbögen und Felssäulen charakterisieren die Küste. Ganz unerwartet, die seichte Lagune von Alvor. Wir kommen mit günstiger Tide und schleichen uns auf den Ankerplatz. Stellenweise haben wir nur noch 60 cm Wasser unter dem Kiel. Hier treffen wir die ANTJE und lernen etwas vom Leben der Fahrtensegler kennen, die wochen- bis monatelang an einem Ort bleiben. Für Aufregung sorgt nur Chaos- bzw. Katastrophen-Wolfgang mit seiner Reinke 15M. Hat bereits bei seiner Ankunft mit slippendem Anker einen armen Engländer gerammt. Nun kollidiert er mit uns (wir sind gerade beim Angeln und merken vom ganzen Drama zunächst nichts), zerschneidet eine Mooringleine, die in seinen Propeller geraten ist, worauf ein Fischerboot, das an eben dieser Mooring hing, sich ebenfalls verselbständigt und sich an unsrem Boot fängt. Jedenfalls hat unser Ankergeschirr die Feuertaufe bravourös überstanden, und gedankt sei den vielen Segelfreunden, die unser Schiff fenderten und die anderen Boote abhielten. Als wir vom Angeln zurückkommen ist das ganze Drama vorbei.

Es gibt aber auch ganz andere Dinge zu berichten, daher nur ein kleines Beispiel: Muschelsuche auf Sandbank. Dauert, aber erfolgreich. Schließlich sind nach 2 Stunden Grabearbeit 2 kg Muscheln beisammen, die abends feierlich gekocht und vertilgt werden. Müssen aber noch üben, denn zugegeben, im Restaurant waren sie besser. In Kürze soll es weitergehen bis Gibraltar, und dann - so Gott will - zu den Kanaren.