Just do it - das SOM-Tagebuch

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SOM 5: Lagos - Lanzerote


Wir sind mittlerweile in Lanzarote angekommen. Von Alvor aus waren wir per Auto noch kurz in Gibraltar, nachdem wir das Hinsegeln aus Faulheit aufgegeben hatten, um den beruehmten Felsen und seine Affen zu sehen und dort ein Kurzwellenfunkgeraet zu kaufen (ich habe Martin mittlerweile davon ueberzeugen (oder ueberreden?) koennen, trotz fehlender Lizenz und noch fehlender Ahnung). Hat leider aber nicht geklappt, weil wir wegen Besuch zu wenig Zeit hatten. Nachdem wir in Lagos noch einen neuen Kuehlschrank haben eingebauen lassen, der alte gab seinen Geist auf, sind wir am 10.10. endlich Richtung Kanaren gestartet.

Die Ueberfahrt war eigentlich recht gut, die meiste Zeit NE 4-5 Bft. Allerdings eine elende Schaukelei, so platt vor dem Wind. Bis Anke 1,5 Tage vor Graciosa Risse am Mastfuss, d.h. eher am Mastschuh auf Deck entdeckte. Die schrecklichen Geraeusche haben uns dazu gebracht, nur noch unter Gross weiterzusegeln, so dass wir nur noch langsam mit 3-4 kn vorankamen und 5 Tage gebraucht haben.

Die naechsten 10 Tage lagen wir meist vor Anker bei La Graciosa, einer kleinen Insel noerdlich von Lanzarote. Dort war Anke vor 13 Jahren schon einmal mit Andreas gewesen, damals mit Rucksack und sie hatten 1 Woche an einem einsamen Strand campiert. Mittlerweile ist das Dorf etwas groesser geworden, es gibt 2 kleine Supermaerkte, einen Schlachter, einen Baecker und sogar ein Internetcafe und eine Disco, die jedoch nie offen war, aber sonst ist es noch ziemlich urspruenglich geblieben. Die "Strassen" bestehen nach wie vor nur aus Sand, die Autos sind alles alte Landrover. Auch ein Taxi-Landrover gibt es. Insgesamt wirkt der Ort wie Wueste am Meer. Der Hafen hat allerdings jetzt 2 Stege fuer Gastlieger und es sind wohl in der Hauptsaison Oktober/November (also jetzt) sicher 50 Yachten da. Alles Langfahrtsegler, viele nette Leute. Jeden Freitag wird Pottlach am Strand oder auf der Hafenmole veranstaltet.

In der Ankerbucht haben wir unsere Freunde von der ANTJE wiedergetroffen und deren Freunde und deren Freunde... Wir haben BBQ am Strand gemacht, Martin hat mit Norbert eine Dinghiregatta unter Segeln gefahren (und verloren), kleine Wanderungen auf den Hausberg gemacht, repariert (es gibt ja immer was zu tun und immer geht was kaputt, man bastelt sich so um die Welt) und viel viel gelesen. Anke hat ein Buch von einer Deutschschweizerin gelesen - Tania Aebi -, die Anfang der 80ger mit einem 7,80m-Boot ganz allein um die Welt gesegelt ist. Sie war erst 18 als sie losgefahren ist und hatte kaum eine Ahnung vom Segeln. Ihr Vater hatte sie als ausgeflippten Punk vor die Wahl gestellt: entweder College und normal werden oder Segeln gehen.

Irgendwann mussten wir ja aber nun unser laues Leben aufgeben und uns um unseren Mast kuemmern außerdem drohte ein Wetterumschwung und wir mussten uns auf den Weg nach Sueden machen. So sind wir zur Marina Rubicon im Sueden von Lanzarote aufgebrochen. Auf der Strecke an Lanzerotes Westkueste entlang bekamen wir von 3 Franzosen eine grosse Goldmakrele (Dolphin) geschenkt, sie hatten zwei gefangen und konnten sie nicht alleine essen. Und 105 cm Frischfisch muessen erst mal verarbeitet und verspeist werden. Wir haben 4 Tage davon gegessen: Dolphin mit Apfel- und Zwiebelringen, Dolphin gegrillt mit Nudelpfanne, Dolphin "en papiliotte" - in Backpapier im Ofen gegart, Dolphin mariniert.... und Dolphin-Sashimi. Danach stand der Sinn aber auch mal wieder nach Fleisch oder Gemuese.

Gleich am Tag nach der Ankunft haben wir den Mast gelegt und den Mastschuh abmontiert. Vorgestern haben wir die Teak-/Sperrholzauflage vom Deck aboperiert und das Sikaflex abgeschliffen, um eine neue Aufnahme fuer den Mastfuss vorzubereiten. Dann hatten wir uns eine Pause verdient und haben 2 Tage mit einem Mietauto die Insel erkundet. In Arrecife haben wir eine Ersatz-Wasserpumpe erstanden (wir erwarten, dass die vorhandene trotz Eigenreparatur durch Martin wohl nicht mehr lange machen wird) und diversen Kleinkram. Wenn alles gutgeht werden wir in den naechsten Tagen den Mast wieder stellen koennen und dann ueber Fuerteventura nach Gran Canaria segeln.

Uebrigens haben wir unsere Plaene geaendert: nach den Kapverden werden wir erst in die Karibik segeln und von dort aus dann nach Sueden/Suedamerika. Irgendwie hatte ich mir die von Martin ausgearbeiteten Routenplaene nicht genau genug angesehen und nun mussten wir uns etwas neu orientieren, weil ich protestiert habe...